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Hotelreportage der Zeitschrift "Hotel & Technik"
Wo Sonne und Regen die Fahrräder putzen
Wenn die Radler nach einem Trip im neu eröffneten
Mountain-Bike-Paradies am Geißkopf mit ihren Sportgeräten
in die Pension Schäffler-Stubn'n zurückkehren, steht
bereits die Fahrraddusche bereit: Energie liefert die Sonne, und
das Wasser stammt aus der Regentonne. Rudolf Schäffler hat
sich für sein 28-Betten-Haus eine Menge einfallen lassen,
um seine Gäste mit Ökologie pur zu überraschen
- bis hin zum selbst gemachten Strom.
Wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, mitten
im Bayrischen Wald auf 830 Höhenmetern befindet sich das
kleine Bergdorf Habischried. Vor über zehn Jahren hat es
einen ein eingefleischten Seemann hierher verschlagen, und der
gebürtige Gütersloher und seine Frau haben prompt auch
Wurzeln geschlagen. Was die Schäfflers ihren Pensionsgästen
heute anzubieten haben, ist "klein, aber oho". Man könnten
auch sagen "öko".
Die Sonnenkollektoren auf dem Dach fallen kaum
auf. Auch die Regentonnen ums Haus fügen sich bescheiden
in die niederbayerische Landhauskulisse ein. Trotzdem ist Schäfflers
ökologisches Konzept überall präsent.
Wärme vom Dach, Strom aus dem Keller
Bei günstigen Wetterverhältnissen
liefern 32 Quadratmeter Solarfläche auf dem Dach Heizenergie
für das Warmwasser. Versorgt werden damit die Duschen, Spül-
und Waschmaschine. Und wenn die Sonne wegbleibt? - Kein Problem:
Schäffler hat ja auch noch eine Sachs - Heizkraftanlage im
Keller stehen, und da fällt Wärme sozusagen als Nebenprodukt
ab. Das mit einem Dieselmotor bestückte Gerät produziert
nach dem Prinzip der Kraft - Wärme - Kopplung Strom und Wärme.
Die elektrische Leistung liegt hierbei bei fünf Kilowatt,
die thermische Leistung für Heizung und Warmwasser bei 12
Kilowatt. Schäfflers Stromausbeute mit dem Blockheizkraftwerk
ist so hoch, dass er damit einen Großteil des Eigenbedarfs
in der Pension decken und obendrein noch ins öffentliche
Netz einspeisen kann.
Und einen der Gesundheit zuträglichen
Effekt hat die Heizkraftanlage obendrein: Sie sorge dafür,
so Schäffler, dass das Warmwasser dreimal pro Woche auf über
80 Grad Celsius erhitzt werde - wirksame Prophylaxe gegen Legionellen.
Regen bringt Segen in die Wassertonne
Sie dritte tragende Säule im Schäffler´schen
Öko-Konzept: das Regenwasser. Die Auffangtonnen an den Dachrinnen
- Abläufen haben ein Gesamt - Fassungsvermögen von etwa
3.000 Litern. Gedeckt wird damit der nicht unerheblichen Bedarf
an Wasser für die üppigen Bepflanzung rund ums Haus
sowie für die vergleichsweise bescheidene Befüllung
der solaren Fahrradduschen.
In puncto Wassersparen ist das noch längst
nicht alles: Sämtliche Toiletten-Spülkästen und
Armaturen im Haus wurden mit Wasserspar-Elementen der Hersteller
Grohe und Hansa ausgerüstet. Auch die Spülmaschine in
der Küche vom Hersteller Hobart ist auf geringen Verbrauch
getrimmt - Schäfflers Angaben zufolge konnte die Spülwassermenge
auf ein knappes Drittel des ursprünglichen Verbrauchs reduziert
werden. Abgesehen von diesem recht spektakulären Maßnahmen
zur Wasser- und Energieeinsparung trifft man in den Schäffler-Stub´n
an allen Ecken und Enden auf kleine pfiffige Lösungen, die
der Umwelt guttun.
Umweltschutz fängt am Frühstückstisch an
Für den Öko-Hotelier fängt das
schon beim Frühstück an: "Plastikverpackungen gibt´s
bei uns nicht, dafür die selbst gemachte Marmelade im Glas!"
Küchenabfälle landen soweit wie möglich auf dem
Komposthaufen. Und Dosengetränke sind in der kleine Pension
restlos verpönt.
Und was meint der Hausherr, wenn er im Zusammenhang
mit seinem Haus von einem "Test- und Informationshotel"
spricht? - "Informationshotel" will heißen: Umweltauszeichnugen
oder blanke Zahlen zur Wasser- und Energieeinsparung sind uns
nicht genug. Wir wollen, dass die Leute, die hierher kommen, Gelegenheit
haben, sich ausführlich zu informieren - im Gespräch
mit uns, in der Umweltbibliothek oder, indem sie sich einfach
anschauen, wie das Ganze funktioniert. Wir versuchen darüber
hinaus, die Informationspaletten durch Austellungen und Aktionen
zu ergänzen. Beispiele dafür sind unseren Daueraustellungen
"Vom Kienspan zum Solar" oder die Nistkasten-Aktion,
in der wir in Zusammenarbeit mit dem Vogelschutzbund 200 Brutstellen
für Vögel installiert haben.
Die Gäste sollen eingezogen sein
Und unter "Testhotel" verstehen wir,
dass beispielsweise jungen Leute, bevor sie in ihren Hausstand
investieren, sich bei uns umschauen und Näheres über
ökologische Produkte erfahren, die oftmals ja auch die Haushaltskosten
reduzieren."
Bleibt noch der Blick in die Küche. Den
alten Gussofen hat Schäffler längst rausgeschmissen
und an seine Platz einen Induktionsherd gestellt - noch ein Energiesparer!
Energie wird nämlich nur dann freigesetzt, wenn die Induktionstechnik
ferromagnetische, sprich: eisenhaltige Materialen, in diesem Fall
den Topfboden, erkennt.
Ökologie "geht durch den Magen"
Was auf dem Herd und drum herum zubereitet
wird, wird soweit wie mögliche - ohne große Anfahrtswege
- aus der näheren Umgebung angeliefert. Eine Vielfalt an
Kräutern, mit Regenwasser und ohne Dünger im eigenen
Garten großgezogen, verfeinert die Hausmannskost der Schäfflers.
Auch in der Küche also die Liebe zum Detail - "und das
schätzen unsere Gäste", freut sich der Hausherr.
Ein Projekt nach dem anderen
Neuer Publikumsmagnet für die Region ist
der erst im Juni eröffnete BMW-Bikepark am Geißkopf
- Eldorado für Mountain-Biker. Schäffler sieht auch
darin einen umweltfreundlichen Ansatz: "Es ist schon besser,
wenn die Biker ihre eigenen Pisten haben, dann konzentriert sich
das Ganze, und die Natur wird durch die Radler nicht unkontrolliert
in Mitleidenschaft gezogen." Seine Pension hat der Hotelier
dem Projekt als radlergerechte Unterkunft angeschlossen und einen
abschließbaren Fahrradkeller mit Montagestangen und der
nötigen Werkzeug-Austrüstung eingerichtet. Die solare
Fahrraddusche ist das typische Schäffler´sche i-Tüpfelchen.
Gehen einem nimmermüden Rudolf Schäffler
die Ideen irgendwann auch einmal aus? - Wohl eher nicht. Das nächste
Projekt hat er schon angepackt: eine Computerschule im Haus. Der
Kontrast von Bildschirm und reizvoller Natur ist gewollt. Fünf
Arbeitsplätze mit Internetanschluss im Keller sind im Entstehen,
ein Lehrer von der Volkshochschule in Regen bereits engagiert.
Das Angebot soll Kurse für Windows, Word 97 und Excel beinhalten.
Quelle: Hotel und Technik Heft 4/99
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